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Dehnen reduziert die Steifigkeit des Nervengewebes

...aber verbessert sich auch die Beweglichkeit?

  • Verbesserte Dorsalextensionsbeweglichkeit des Sprunggelenks nach muskel- oder nervenorientiertem Dehnen
  • Nur Zunahme der Dorsalextension in spezifischer Dehnposition
  • Erste Studie, die mögliche Veränderungen im Nervengewebe nach Dehnung aufzeigt

Gesunde, sportliche Studierende können mit Dehnungsübungen den Bewegungsumfang der Sprunggelenksdorsalflexion erhöhen. Das Dehnen der Wadenmuskulatur ist nicht das einzige Mittel, um dies zu erreichen. Auch das Dehnen des Nervus ischiadicus kann die Sprunggelenksdorsalextension verbessern, selbst wenn die Wadenmuskeln nicht an der Dehnung beteiligt sind. Zu diesem Schluss kommen internationale Forscher/innen, die eine randomisierte Studie mit drei Gruppen durchführten: Zwölf Wochen lang dehnten die Teilnehmer/innen 1) ihre Wadenmuskeln, 2) führten Dehntechniken des Nervus ischiadicus durch oder 3) dehnten überhaupt nicht.

 

Nervendehnung

Bei der Nervendehnungsgruppe waren die Ergebnisse genau umgekehrt: Die Teilnehmer/innen führten (mit Hilfe eines Untersuchers) zwei Dehnungsübungen für den Nervus ischiadicus durch, bei denen die Hüfte in mindestens 90 Grad Beugung gehalten wurde und die Wadenmuskulatur nicht gedehnt wurde. Sie verbesserten das Bewegungsausmaß der Dorsalextension um zehn Grad bei der sitzenden Messung mit gebeugter Hüfte, während bei der Messung mit gerader Hüfte keine Veränderungen beobachtet wurden. Für die erste Übung saßen die Teilnehmer/innen auf dem Boden mit den Füßen an der Wand. Der/die Untersucher/in stellte sicher, dass die Knie der Teilnehmer/in extendiert waren, indem er/sie diese zum Boden drückte. Der/die Teilnehmer/in wurde dann aufgefordert, sich mit dem Rumpf und dem Nacken für 45 Sekunden nach vorne zu beugen (Slump-Position). Dies wurde fünfmal wiederholt. Die zweite Übung wurde in Rückenlage mit hochgestreckten Beinen durchgeführt. Die Forscher/in drückte die Beine in Richtung des Rumpfes der Teilnehmer/in. Dies wurde fünfmal für 45 Sekunden durchgeführt.

Spezifität

Diese Ergebnisse scheinen das Gesetz der Spezifität noch einmal zu bestätigen. Muskeldehnungsübungen induzierten nur in der spezifischen Dehnungsposition Veränderungen in den Muskelfasern und eine Zunahme des Bewegungsumfangs, während Nervendehnungsübungen nur in der spezifischen Position der Nervendehnungsübungen Veränderungen im Nervengewebe und eine Verbesserung des Bewegungsumfangs bewirkten.

Testprotokoll

Das Testprotokoll war zu Beginn und nach der zwölfwöchigen Interventionsphase identisch: ein kurzes Aufwärmen des Sprunggelenks, gefolgt von einer passiven Dorsalflextensionsmessung mit gerader und gebeugter Hüfte. Die Forscher/innen führten die Messung des Bewegungsumfangs mit Hilfe eines isokinetischen Systems (Biodex) durch. Dieses System stellte sicher, dass die richtige Position gesichert war, während der Computer den Bewegungsumfang registrierte. Anschließend machte ein/e erfahrene/r Ultraschalldiagnostiker/in an vorgegebenen Messpunkten der Wadenmuskulatur und des Nervus ischiadicus Ultraschallaufnahmen, die anschließend von den Forscher/innen ausgewertet wurden. Die 30 männlichen und 29 weiblichen Student/innen (Durchschnittsalter: 20,5 Jahre), die an dieser Studie teilnahmen, waren gesund und trainierten mindestens acht Stunden pro Woche (auch während des zwölfwöchigen Interventionszeitraums).

 

> Von: Andrade et al., J Appl Physiol 129 (2020) 1011-1023 . Alle Rechte vorbehalten American Physiological Society. Klicken Sie hier für die Online-Zusammenfassung. Übersetzung von Nadine Schmidt

Methodische Qualität nach Meinung des Autors der erweiterten Zusammenfassung: gut (PEDro-Score 7/10)

Expertenmeinung by Dennis van Poppel

Die Schlussfolgerung dieser Studie, dass spezifische Dehntechniken strukturelle mechanische Anpassungen im Muskel- und Nervengewebe induzieren können, sollte mit Vorsicht interpretiert werden, wenn es um die Anwendung in der physiotherapeutischen Praxis geht. Es scheint, dass die Intensität der verschiedenen Techniken für Muskel- und Nervengewebe nicht vergleichbar ist. Außerdem unterscheidet sich die Dehnungstoleranz zwischen Muskel- und Nervengewebe. Auch scheint die in dieser Studie verwendete Methode zur Unterscheidung zwischen Muskel- und Nervengewebe nicht sehr aussagekräftig zu sein. Ist es überhaupt möglich, zwischen diesen beiden Gewebetypen zu unterscheiden? Das neurodynamische Konzept von Shacklock besagt, dass jeder Nerv von einer mechanischen Schnittstelle (d. h. von Weichgewebe) umgeben ist und, dass sie sich gegenseitig beeinflussen. In der klinischen Praxis müssen sich die Kolleg/innen darüber im Klaren sein, dass manche Patient/innen besser auf neurodynamische Techniken ansprechen, während andere besser auf manuelle Muskelentspannungstechniken reagieren. Es ist wichtig, kritisch zu bleiben, wenn es darum geht, welche Intervention eingesetzt wird.

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